2014/12/16

Etwas aus der Reihe...

Einmal ein Post etwas aus der Reihe:

Diese Woche ist die neue Lebensmittelkennzeichnungsverordnung EU-weit in Kraft getreten, was ich super finde. Kurz gesagt: die Verordnung besagt, dass in Restaurants und generell allen gewerblichen Lokalen Listen einsehbar sein müssen (oder das Personal entsprechend geschult ist), die über enthaltene Allergene in den Speisen Aufschluss geben.
Entgegen vielfacher Meinung sind Schul-Kuchenverkäufe und Ähnliches davon ausgenommen!

Aus Gründen, die ich nicht mal ansatzweise verstehe, kommen unheimlich viele Leute (via facebook) damit um die Ecke, dass das doch Quatsch sei, warum diese Verordnung auf einmal kommt, bla. bla. bla.

Hier mal das, was ich gerne unter jeden einzelnen Kommentar posten würde.

"Allergiker wissen doch, was sie essen dürfen, da ist doch so eine Liste Quatsch!"

Klar weiß ich als Allergiker, was ich essen darf und was nicht, in meinem Fall: Gluten.
JA, ich weiß, dass Gluten in allen gängigen Getreidesorten enthalten ist
JA, ich weiß, dass ich deshalb logischerweise das "normale" Brot oder "normale" Nudeln nicht essen kann

Aber wenn ich in ein Lokal gehe und Kartoffeln mit einem Stück (unpaniertem) Fisch bestelle und gern Sauce dazu hätte, die Bedienung aber vielleicht nur saisonale Verstärkung ist, dort nur nebenbei arbeitet oder vielleicht auch schlicht und ergreifend ungebildet ist, soll ich dann einfach verzichten, obwohl ich die Sauce vielleicht gedurft hätte?
Dank der neuen Verordnung kann ich eine Liste einfordern und kann mir sicher sein.

"Was haben die Allergiker denn vorher gemacht?"

Sind nicht essen gegangen oder haben nach dem Motto gelebt "No risk, no Stunden on the Kloschüssel."
Jetzt mit der Liste können Allergiker wieder ganz normal mit ihren Nicht-Allergiker-Freunden essen gehen und müssen sich unter Umständen nicht vorzeitig von ihnen verabschieden um an einem Meeting im heimischen Bad teilzunehmen.

"Sollen die Allergiker doch zuhause bleiben!"

Sollen sie, ja? Für Vegetarier, mittlerweile sogar für Veganer gibt es mehr Angebote für Essbares als für z.B. Glutenallergiker, und das obwohl sich Vegetarier und Veganer ihre Lebensweise selbst ausgesucht haben, Allergiker aber nun mal damit leben müssen, was ihnen von der Genetik oder von Gott zugemutet wurde. Denen kann man das Leben doch ebenso leicht machen wie anderen kulinarischen Minderheiten.

"Mensch, bisher sind die doch auch nicht gestorben!"

Gestorben nicht, nein, aber mir ist es schon passiert, dass ich wegen Unwissens der Servicekräfte frühzeitig aus der Uni nachhause  musste, was einfach ärgerlich ist und je öfter es passiert, desto ungesünder ist es. Ich möchte nicht bildlich werden, aber schön ist sowas nicht.
Man selbst gibt sich alle Mühe, sich entsprechend der Bedürfnisse zu ernähren und dann ist man unterwegs und hat ein Hüngerchen und schwupps, ist der Tag vorbei, sowas ist (Achtung, Wortspiel:) scheiße.

"Diese ganzen Allergien, früher gab's das nicht, das ist alles Einbildung! Wärt ihr mal ordentlich auf dem Land aufgewachsen könnte euer Immunsystem auch was ab!"

"Früher gab's das nicht" ist Quatsch. Oder vielleicht auch nicht, früher sind die Leute halt nur 20 geworden. Vielleicht sind ja einige von ihnen an Darmkrebs wegen einer unerkannten Zöliakie verstorben, wer weiß das schon?
Und dass manche Leute sich Krankheiten einbilden bezweifel ich gar nicht, allerdings gibt es nun mal Leute, die manche Dinge nicht essen können und das ist eben eine Krankheit.

Nur nebenbei: Ich bin auf dem Land aufgewachsen, habe alles mögliche mal gegessen und darf jetzt trotzdem kein Gluten, These widerlegt.

Das sind so die Thesen der Leute mit dem sogenannten "Stammtischwissen", die mir am meisten im Kopf geblieben sind.
Ich habe keine Lust, immer und immer wieder engstirnigen Leuten meinen Standpunkt zu verdeutlichen, deshalb schreibe ich das hier.

Was ich allerdings insgesamt nicht verstehe, ist, dass sich Leute über die Verordnung ereifern, die es weder als Allergiker noch als Gastronom betrifft. Da hat man doch das Gefühl, das, was sie in der Bild gelesen haben muss nun auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gebracht werden, also known as facebook.

Alles in Allem habe ich mich immer unheimlich gefreut, in meinem sozialen Umfeld nicht mit Unverständnis umgehen zu müssen, umso mehr schockiert es mich, wie intolerant und eklig sich manche Leute verhalten, wie hasserfüllt sie Allergikern gegenüber treten, das macht mich nicht nur traurig über den Zustand unserer Gesellschaft, derer diese Leute nun mal Teil sind, vielmehr macht es mich wütend, dass solche Leute ihr Unwissen verbreiten und damit den Allergikern das Leben noch schwerer machen. (Nein, kein Plädoyer für die armen Allergiker, mir geht's super so wie ich lebe, aber über Engstirnige aufregen will ich mich trotzdem nicht täglich müssen.)

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